Zeitschrift EE

 nt 03 | 2025 Industriell-urbane Symbiosen

„Hubs4Circularity“ Wegbereiter für industrielle und industriell-urbane Symbiosen in Europa

Maria Loloni

Industrielle und industriell-urbane Symbiosen sind seit vielen Jahren wichtige Bausteine für die Erreichung der europäischen Klimaneutralitäts- und Kreislaufwirtschaftsziele bis 2050. Trotz ihrer technischen Machbarkeit und ihrer Vorteile für die Umwelt haben die entsprechenden Initiativen jedoch Schwierigkeiten, sich in Europa über einzelne Pilotprojekte hinaus durchzusetzen. Das Konzept von „Hubs4Circularity“ (H4C) soll dies ändern.

Industrielle Symbiose Kalundborg im Sonnenuntergang. Foto: David Drejer, Shutterstock

Industrielle Symbiose basiert auf dem Prinzip, dass die Nebenprodukte und Abfallströme einer Branche (z. B. wertvolle Materialien oder ungenutzte Wärme) von anderen Branchen genutzt werden können, um Ressourcen zu sparen und ihren CO2-Fußabdruck zu verringern. Die industriell-urbane Symbiose erweitert diese Interaktion auf städtische Gebiete und regionale Industrien, beispielsweise durch Fernwärme aus industrieller Abwärme, die Bündelung von Abfallressourcen durch kommunale Systeme und innovative Lösungen zu deren Nutzung1. Sie sind eine wichtige Säule der Kreislaufwirtschaft, dem Ansatz, vorhandene Materialien und Produkte so lange wie möglich zu nutzen, zu teilen, zu vermieten, wiederzuverwenden, zu reparieren, aufzubereiten und zu recyceln2.

Hubs4Circularities setzen diese Konzepte auf regionaler Ebene um und bringen Industrie, öffentliche und private Stakeholder sowie regionale Akteure zusammen, um wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Lösungen für die Wiederverwendung von Energie- und Materialströmen zu finden und umzusetzen.

In der norwegischen Region Møre og Romsdal3 beispielsweise untersucht eine regionale Symbiose-Initiative, wie überschüssige Wärme, CO2 und organische Abfälle aus der Aquakultur und Lebensmittelverarbeitung in Gewächshäusern, der Algenzucht und der Biogasproduktion wiederverwendet werden können. Dieser Ansatz reduziert nicht nur Emissionen, sondern unterstützt durch integrierte Ressourcenplanung und gemeinsame Infrastruktur auch die lokale Lebensmittelproduktion und die Energieunabhängigkeit.

Beschleunigte Einführung industrieller und industriell-urbaner Symbiosen

Es ergeben sich mehrere Möglichkeiten, die breite Einführung industrieller und industriell-urbaner Symbiosen zu beschleunigen4:

  • Digitalisierung. Tools für Echtzeitüberwachung, prädiktive Analysen und Ressourcenzuordnung werden immer leichter zugänglich. Plattformen wie SYNERGie® und SEITISS5 helfen Unternehmen dabei, symbiotische Austauschmöglichkeiten effizienter zu identifizieren und zu verwalten.
  • Politischer Schwung. Der Green Deal der EU, der Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft oder die Taxonomie-Verordnungen schaffen stärkere Anreize für Kreislaufwirtschaft und die Reduzierung industrieller Emissionen.
  • Bildung und Kapazitätsaufbau. Über technisches Fachwissen hinaus sind zunehmend Fähigkeiten in den Bereichen Moderation, Systemdenken und Einbindung von Interessengruppen gefragt. Universitäten und Ausbildungsprogramme beginnen, diese Lücke zu schließen.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Roubaix bei der Abfallbewertung in einem Unternehmen. Foto: Anaïs Gadeau

Nutzung von Synergien

Darüber hinaus trägt die Nutzung von sektorübergreifenden Synergien dazu bei, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu erhöhen. Dies setzt jedoch eine kompatible Infrastruktur (Pipelines, Lagertanks, Aufbereitungsanlagen), leicht verfügbare Ressourcen (Abwärme für Heizzwecke oder Abwasser für die Wiederverwendung in der Bewässerung oder Kühlung), die Qualitätssicherung von Nebenprodukten zur Gewährleistung ihrer Wiederverwendbarkeit sowie die digitale Überwachung und Optimierung des Austauschs voraus.

Beispielhafte Initiativen integrieren städtische Systeme und industrielle Netzwerke, um ein kreislauforientiertes Ökosystem zu schaffen:

  • In Roubaix (Frankreich)6 arbeitet die Stadtverwaltung mit lokalen Unternehmen und Anwohnern zusammen, um ein kreislauforientiertes Ökosystem zu schaffen, das beispielsweise die Wiederverwendung von Textilien bzw. anderen Reststoffen, die Kompostierung und auch eine gemeinsame Logistik umfasst.
  • In Murcia (Spanien)7 wird die Rückgewinnung von Nährstoffen aus Klärschlamm zur Herstellung von Düngemitteln untersucht, obwohl die derzeitigen Vorschriften deren Vermarktung einschränken.
  • In Lissabon (Portugal)8 wird aufbereitetes Abwasser nicht nur für die städtische Bewässerung, sondern auch in der Bierherstellung genutzt.

Europäische Initiativen zur Förderung von industriellen und industriell-urbanen Symbiosen

Um Hindernisse zu überwinden und die Einführung industrieller und industriell-urbaner Symbiosen zu beschleunigen, arbeitet ein wachsendes Ökosystem europäischer Initiativen daran, die für den Erfolg von Hubs4Circularity erforderlichen Instrumente, Kenntnisse und Unterstützungsstrukturen bereitzustellen. Die Hubs4Circularity Community9 of Practice spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung des gegenseitigen Lernens, der Kodifizierung bewährter Verfahren und der Unterstützung von Vermittlern. Sie bringt etablierte und aufstrebende Hubs zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsam Methoden zu entwickeln und sich für förderliche politische Rahmenbedingungen einzusetzen. Diese Ressourcen stehen allen interessierten Akteuren auf der speziellen H4C-Knowledge Platform10 zur Verfügung.

Neu entwickelte Methoden und Instrumente bewerten die Eignung für Symbiosen, priorisieren Lösungen mit hoher Wirkung und steuern die strategische Planung. Diese Instrumente integrieren mehrere Dimensionen – ökologische, rechtliche, gesellschaftliche und organisatorische – in der Entscheidungsfindung.

Das Projekt SYMBA11 hat zum Beispiel mehr als 150 Lösungen für industrielle Symbiosen in ganz Europa untersucht – und dabei ein Bewertungsmodell auf Basis einer multikriteriellen Analyse verwendet. Jede Lösung wurde anhand von fünf unterschiedlich gewichteten Reifegraden bewertet: im Hinblick auf Symbiose, Umweltaspekte, organisatorische Voraussetzungen, rechtliche sowie ethische Aspekte sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Zu den bestgereihten Initiativen gehörten CIRCULAR BIOCARBON12 (in Spanien und Italien) mit einer innovativen Methodik zur Umwandlung von städtischen organischen Abfällen in Mehrwertprodukte und eine Toolbox für Öko-Industrieparks von UNIDO13, eine Plattform zur Bewertung und Unterstützung von Öko-Industrieparks weltweit.

Fazit

Die Erkenntnis wächst, dass industrielle Symbiose, industrielle-urbane Symbiose und Hubs4Circularities unterstützende politische Rahmenbedingungen und innovative Finanzierungsmechanismen erfordern. Blended Finance – die Kombination von öffentlicher und privater Finanzierung – wird zunehmend als unverzichtbar angesehen, um Investitionen in gemeinsame Infrastruktur und Erleichterungen risikofrei zu gestalten.

Die Verankerung von Kreislaufwirtschaft in der regionalen Wirtschaft bietet einen Weg zu Dekarbonisierung, Resilienz und nachhaltigem Wachstum. Europa baut dieses Ökosystem Schritt für Schritt und Hub für Hub auf. Die Herausforderung besteht nun darin, diese zu skalieren, zu unterstützen und sicherzustellen, dass der Übergang zur Kreislaufwirtschaft in dem von uns benötigten Tempo erfolgt.

Finanziert von der Europäischen Union

Kommentar

„Wie im Wettbewerbsfähigkeits-Kompass, dem Plan zur Belebung der europäischen Wirtschaft, hervorgehoben wird, hat sich die Europäische Kommission dazu verpflichtet, den Industriesektor bis 2050 auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität umzustellen und gleichzeitig seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Initiativen wie Hubs4Circularity spielen eine wichtige Rolle bei der Skalierung von industriellen und industriell-urbanen Symbiosen. Durch die Vernetzung von Industrie, öffentlichen und privaten Akteuren fördern diese Hubs Lösungen für die Kreislaufwirtschaft. Unterstützt durch den Clean Industrial Deal der EU und den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft zielt dieser Ansatz darauf ab, eine widerstandsfähigere, wettbewerbsfähigere und nachhaltigere europäische Wirtschaft aufzubauen.“

Antonio Ferrandez Garcia, Generaldirektorat Forschung und Entwicklung, Europäische Kommission. Foto: Europäische Kommission

Weitere Informationen

  1. Hubs4Circularity Community of Practice (2022). The newly launched Hubs4Circularity Community of Practice: supporting European industries, regions and cities in becoming circular. https://www.h4c-community.eu/news/the-newly-launched-hubs4circularity-community-of-practice-supporting-european-industries-regions-and-cities-in-becoming-circular/
  2. European Parliament (2023). Circular economy: definition, importance and benefits. https://www.europarl.europa.eu/topics/en/article/20151201STO05603/circular-economy-definition-importance-and-benefits
  3. https://www.h4c-community.eu/news/exploring-industrial-symbiosis-in-norways-more-and-romsdal-county-interview-with-martin-ose-and-ingrid-gjelsvik/
  4. Zedo e.V. (2023). Outcomes of the discussions in the first round of expert groups. Hubs4Circularity Community of Practice, https://app.h4c-community.eu/contents/1603/detail-content/6wFJdo4BxCLRtDkfLSqm
  5. https://seitiss.com/nos-services/
  6. https://www.h4c-community.eu/news/industrial-urban-symbiosis-roubaix-france/
  7. https://hoopproject.eu/murcia/
  8. https://b-watersmart.eu/living-lab/lisboa-em-portugal/
  9. https://www.h4c-community.eu/
  10. https://www.h4c-community.eu/knowledge-platform/
  11. https://www.symbaproject.eu/
  12. https://circularbiocarbon.eu/
  13. https://hub.unido.org/eco-industrial-parks-tools

Hubs4Circularity Community of Practice Initiative

Autorin

Maria Loloni arbeitet bei Climate KIC und ist Expertin für Industrielle Symbiosen. Sie leitet das Programm „Hubs4Circularity Community of Practice“. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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