Zeitschrift EE

nt 01 | 2025 Leben im Klimawandel

Martina Majcen: Vom OP-Saal zur Architektur einer nachhaltigen Zukunft

Wie wird aus einer Kinderchirurgin eine Architektin mit Fokus auf nachhaltige Gebäude- und Stadtentwicklung? Die Antwort auf diese oft an mich gestellte Frage ist vielschichtig: durch anhaltende Neugier, interdisziplinäres Denken und den Wunsch, die eigene Umwelt tiefgreifend zu verstehen.

Foto: AEE INTEC

Geboren in Kärnten, in einer Lehrerfamilie mit zehn Kindern und großer Liebe zur Natur, durchlief ich eine nicht alltägliche Karriere. Die Entscheidung zum Medizinstudium war nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass ein Musikstudium laut meinen Eltern nicht in einen ehrbaren, und schon gar nicht sicheren Beruf mündete. Nach meinem Studium in Graz absolvierte ich acht Jahre lang die Facharztausbildung für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Graz und forschte international, unter anderem in Irland. Meine Leidenschaft für Wissen und Forschung mündete in zahlreiche internationale Publikationen und sogar den Young Investigators Award der Europäischen Gesellschaft für Kinderchirurgie.

Mein Karriereweg schien vorgezeichnet, doch eine seltene Erkrankung beendete ihn abrupt. Bald war klar, dass mein Körper das fordernde Leben als Chirurgin nicht zuließ. Aber aufgeben war für mich nie eine attraktive Option. Was also tun? Nach einem schweren Abschied von meinen Patient*innen und dem Team entschied ich mich für einen radikalen Wechsel: Ich folgte einer weiteren Leidenschaft – Design und Bauen – und absolvierte ein Architekturstudium an der TU Graz.

Schon im Masterstudium wuchs meine Faszination für Städtebau und Nachhaltigkeit. Neben meiner Arbeit in Grazer Architekturbüros lehrte und forschte ich auch am Institut für Städtebau der TU Graz, wo Begrünung, urbane Resilienz und Smart City-Konzepte im Fokus standen.

Heute leite und bearbeite ich Projekte bei AEE INTEC im Bereich Buildings. Mein Fokus liegt auf Gebäude- und Quartiersbegrünung, Klimawandelresilienz, Plus-Energiequartieren sowie der Energiewende. Ich verbinde mein Wissen aus Naturwissenschaft, Medizin und Architektur gerne zu einem holistischen Blick auf städtische Herausforderungen. Die Forschungsarbeit in unterschiedlichen Maßstäben, vom Laborversuch über Gebäude bis hin zu ganzen Städten und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit vielen spannenden Persönlichkeiten inner- und außerhalb von AEE INTEC sorgen für ein abwechslungsreiches und anregendes Arbeitsumfeld.

Die Entscheidung für AEE INTEC war kein Zufall. Ich verfolgte die Arbeiten des Instituts schon länger und war begeistert von dessen interdisziplinärem Ansatz. Wissenschaft, Innovation und Praxis zu verbinden, war genau das, wonach ich suchte. Nach Jahren im klassischen Architekturbetrieb fehlte mir zunehmend der Raum für Visionen. AEE INTEC bot mir die Möglichkeit, die Zukunft wieder aktiver mitzugestalten: Wie können wir unsere Städte klimaresilient machen? Ist Gebäudebegrünung die Antwort? Wie schaffen Gebäude die Energiewende? Zurück in der Wissenschaft zu sein, fühlt sich an wie nach Hause kommen, so mein Fazit nach drei Jahren bei AEE INTEC.

Nicht zuletzt schätze ich auch sehr die Flexibilität, die es mir ermöglicht, Familie und Beruf gut zu verbinden. So kann ich weiter mit Elan an einer lebenswerten Zukunft für unsere Kinder und Enkel arbeiten.

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