nt 01 | 2025 Leben im Klimawandel
Klimawandelanpassung – die notwendige Ergänzung zum Klimaschutz
Brigitta Hollósi
Klimawandelanpassung bezeichnet die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen, die darauf abzielen, die Anfälligkeit der Gesellschaft, des Ökosystems und der Infrastruktur gegenüber den Folgen des Klimawandels zu verringern. Während der Fokus beim Klimaschutz primär auf der Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasemissionen liegt, konzentriert sich die Anpassung auf Resilienz und Vermeidung potenzieller negativer Auswirkungen gegenüber klimatischen Veränderungen.
Die Notwendigkeit der Klimawandelanpassung ergibt sich aus den bisher gemessenen und prognostizierten Veränderungen des Klimasystems und sozioökonomischen Veränderungen, welche Verwundbarkeiten erhöhen oder mildern können. Der Temperaturanstieg, die Veränderungen von Niederschlagsereignissen und die Zunahme extremer Wetterereignisse stellen große Herausforderungen für zahlreiche Sektoren, wie z. B. das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft, die Wasserwirtschaft, den Bau- und Infrastruktursektor und den Naturschutz, dar. Selbst wenn die Dekarbonisierung vorangetrieben wird, ist Klimawandelanpassung essenziell, um die bereits derzeit erkennbaren negativen Folgen abzumildern und soziale, ökologische sowie wirtschaftliche Systeme widerstandsfähiger zu machen. Die Vorteile einer konsequenten Anpassung liegen somit in der Reduzierung klimabedingter Schäden, der Verbesserung der Lebensqualität und der Sicherung von Lebensräumen.
Im Jahr 2021 hat die EU-Kommission eine neue Anpassungsstrategie vorgestellt, mit der Vision, bis 2050 eine in Bezug auf die Folgen des Klimawandels widerstandsfähige Gesellschaft zu schaffen. Im selben Jahr wurde das EU-Klimagesetz (Verordnung (EU) 2021/1119) verabschiedet, wodurch das globale Anpassungsziel aus dem Pariser Übereinkommen sowie Maßnahmen im Rahmen des UNO-Ziels Nr. 13 Maßnahmen zum Klimaschutz" (Unterziel 13.1: Die Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit gegenüber klimabedingten Gefahren und Naturkatastrophen in allen Ländern stärken") in europäisches Recht integriert werden.
Ergänzend regelt die Norm (ÖNORM) ISO 14090 "Anpassung an die Folgen des Klimawandels - Grundsätze, Anforderungen und Leitlinien" Prinzipien und Anforderungen der Anpassung und zeigt auf, wie dieses Verständnis in Entscheidungen einfließen kann.
Die Taxonomie-Verordnung der EU (2020/852) spielt eine zentrale Rolle bei Investitionen, indem sie ein einheitliches System von Kriterien schafft, anhand dessen sich bestimmen lässt, ob eine wirtschaftliche Tätigkeit in Bezug auf sechs definierte Umweltziele (Punkt 2: Anpassung an den Klimawandel) als nachhaltig gilt. Auf diese Weise werden Investitionen gezielt in Aktivitäten gelenkt, die die Klimaresilienz stärken und Klimarisiken reduzieren.
In Österreich liegt die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, deren neuste Ausgabe 2024 veröffentlicht wurde, vor ein strategisches Konzept, das einen umfassenden Aktionsplan in 14 Aktivitätsfeldern und konkrete Handlungsempfehlungen auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse bietet[1]. Ergänzend existieren auf Bundesland- bzw. Stadtebene Klimawandelanpassungsstrategien bzw. Initiativen wie z. B. das Förderprogramm „Klimawandel-Anpassungsmodellregionen (KLAR!)" um Regionen und Gemeinden dabei zu unterstützen, sich gezielt auf den Klimawandel vorzubereiten und negative Folgen zu minimieren.[2]
Technologien zur Anpassung an den Klimawandel sind vielfältig und bieten Lösungen für verschiedene Herausforderungen, von der steigenden Hitzebelastung in Städten bis hin zur Bewältigung von Extremwetterereignissen. Dazu zählen naturbasierte Ansätze wie die Renaturierung von Flüssen, Gründächer und Fassadenbegrünung, moderne Wassermanagementsysteme zur besserer Kontrolle von Starkregen und Dürreperioden sowie innovative Maßnahmen wie der Einsatz reflektierender Materialien zur Reduzierung der Aufheizung von Oberflächen. Ergänzend spielen digitale Technologien eine zunehmend zentrale Rolle: Klimamodelle, satellitengestütztes Monitoring sowie Frühwarnsysteme ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen, gezielte Maßnahmen zu setzen und die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.
Ein zentraler Bestandteil der Klimaanpassung ist die Gefahren- und Risikoanalyse, die dabei hilft, die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf unterschiedliche Sektoren, Regionen und Infrastrukturen systematisch zu bewerten. Dabei spielen numerische Modellierungen eine entscheidende Rolle, mithilfe derer verschiedene Szenarien durchgerechnet, Klimarisiken lokalisiert und deren Potenzial für Klimaszenarien abgeschätzt werden können. Die gewonnenen Erkenntnisse unterstützen Entscheidungsträger dabei, Anpassungsmaßnahmen zu priorisieren und zielgerichtet und effizient umzusetzen.
Ein Beispiel dafür ist die Studie von Oswald et al. (2020)[3], die verschiedene Szenarien zur Begrünung und Albedo-Erhöhung in der Stadt Klagenfurt am Wörthersee unter aktuellen und zukünftigen Klimabedingungen mithilfe eines Stadtklimamodells analysierte. Die Ergebnisse zeigten, dass eine Kombination von Klimaanpassungsmaßnahmen die durchschnittliche Anzahl heißer Tage (Tage mit Höchsttemperaturen über 30°C) im aktuellen Klima um bis zu 44 Prozent reduzieren kann. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen könnte die Zunahme heißer Tage bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts weitgehend gemindert werden. Es ist jedoch zu beachten, dass dieser Effekt in Szenarien mit stärkerem Temperaturanstieg in der fernen Zukunft nicht mehr identifizierbar ist. Diese Ergebnisse verdeutlichen das Potenzial von Anpassungsansätzen, zeigen aber auch die Grenzen solcher Maßnahmen in Hinsicht auf die Auswirkungen des Klimawandels auf und unterstreichen die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen.
Um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, ist eine integrierte Herangehensweise erforderlich, die Klimaschutz und Klimawandelanpassung möglichst miteinander verknüpft. Investitionen in nachhaltige Infrastrukturen, innovative Technologien und naturbasierte Lösungen sind entscheidend, um Lebensqualität, wirtschaftliche Stabilität und ökologische Resilienz zu sichern.
Literatur
[1]BMK (2024), Die Österreichische Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. Teil 1-Kontext. Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie BMK 2024, Wien, Österreich.
[2]Streissler A., Bouslama S., Prutsch A., Balas M., Nohel S., Eder R, et al. (2016). Klimawandelanpassung umsetzen - Lebensqualität erhöhen. Ein Handbuch für MultiplikatorInnen zur Beratung österreichischer Gemeinden und Regionen. Umweltdachverband. Wien.
[3]Oswald S. M., Hollósi B., Žuvela-Aloise M., See L., Guggenberger S., Hafner W., Prokop G., Storch A., and Schieder W. (2020). Using urban climate modelling and improved land use classifications to support climate change adaptation in urban environments: A case study for the city of Klagenfurt, Austria. Urban Climate, 31, 100582, https://doi.org/10.1016/j.uclim.2020.100582
Autor:in
Brigitta Hollósi, MSc, ist Leiterin der Kompetenzeinheit Stadtklima bei GeoSphere Austria. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Twitter: https://x.com/GeoSphere_AT?mx=2
